Rote Vogelmilbe

Rote Vogelmilbe: Bedeutung, Auswirkungen und zentrale Herausforderungen

Die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) ist ein häufig vorkommender, zugleich aber komplexer Parasit in der Geflügelhaltung. Ein Befall betrifft nicht nur das Tierwohl, sondern kann auch wirtschaftliche Folgen für Betriebe haben. Da Milben überwiegend nachts auf die Tiere gehen und sich tagsüber in Ritzen, Spalten und technischen Übergängen verstecken, bleiben Befälle in der Praxis häufig zunächst unbemerkt.

Tierwohl und moderne Haltungssysteme

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls umgesetzt – unter anderem durch den Wechsel von traditionellen Haltungssystemen hin zu alternativen, komplexeren Stalleinrichtungen. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Fortschritt. Gleichzeitig kann die zusätzliche Struktur im Stall (z. B. Übergänge, Kanten, Hohlräume) mehr Versteckmöglichkeiten für Milben bieten. Dadurch können sich Befälle leichter etablieren und herkömmliche, rein oberflächliche Behandlungen erreichen die relevanten Bereiche nicht immer zuverlässig.

Schnelle Vermehrung und schwierige Erkennung

Der Entwicklungszyklus der Roten Vogelmilbe dauert – abhängig von Temperatur und Umgebung – häufig zwischen 7 Tagen und etwa 2 Wochen. Unter günstigen Bedingungen kann sich ein Befall deshalb innerhalb kurzer Zeit deutlich verstärken. Die Kontrolle ist zusätzlich erschwert, weil Milben ohne Blutmahlzeit über längere Zeit überleben können und sich vor allem in schwer zugänglichen Stallbereichen aufhalten.

Auswirkungen auf Tiergesundheit und Leistung

Ein stärkerer Befall ist häufig mit Juckreiz, Hautreizungen und Schmerzen verbunden und kann Unruhe im Bestand verursachen. In ausgeprägten Fällen kann es zu Anämie kommen; schwere Befälle können einen erheblichen nächtlichen Blutverlust bedeuten. In der Praxis werden zudem Zusammenhänge mit:

  • Leistungsrückgang (z. B. Legeleistung)

  • geringerer Gewichtsentwicklung

  • Immunsuppression und erhöhter Anfälligkeit

  • erhöhter Mortalität

  • Beeinträchtigter Eierschalenqualität
    beobachtet.

Übertragungswege zwischen Beständen

Rote Vogelmilben können zwischen Beständen unter anderem über Transportkisten, Kleidung, Wildvögel, Fördertechnik und weitere Kontaktwege verschleppt werden. Deshalb spielen Betriebsabläufe, Hygiene und Monitoring eine zentrale Rolle in der Prävention.

Grenzen konventioneller Bekämpfung (Praxisaspekte)

In der Praxis werden bei chemischen bzw. konventionellen Ansätzen mehrere Herausforderungen beschrieben:

  • Teilweise keine Anwendung im belegten Stall bzw. Wartezeiten

  • Kurze Residualwirkung, sodass nicht alle Milben erreicht werden

  • Häufig begrenzte Wirkung auf Eier, wodurch nach dem Schlupf erneuter Befall entstehen kann

  • Berichte zu Resistenzentwicklungen

  • Arbeitsaufwand und mögliche Anwender-Risiken

Einordnung

Vor diesem Hintergrund besteht ein hoher Bedarf an wirksamen, praxistauglichen und verantwortungsvollen Strategien zur Kontrolle der Roten Vogelmilbe. Entscheidend ist in der Regel ein systematisches Vorgehen, das Verstecke/Hotspots berücksichtigt und Wiederholungen am Entwicklungszyklus ausrichtet – ergänzt durch Stallhygiene, Monitoring und Prävention.